Die Suppe lügt

Sachbuch der Woche Hans-Ulrich Grimm: „Die Suppe lügt. Die schöne neue Welt des Essens“

Dass „natürliches“ Aroma im Erdbeerjoghurt aus Sägespänen gewonnen wird – mithilfe von Pilzen, die auf Sägespänen wachsen – das dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Dass wir es wissen, verdanken wir Hans-Ulrich Grimm. Der enthüllte es 1997 in seinem Buch „Die Suppe lügt“, das sich 250.000mal verkaufte und mittlerweile ein Klassiker der Lebensmittel-Enttarnungs-Literatur ist. Nun gibt es eine aktualisierte Fassung. Die ist unser Sachbuch der Woche. MDR FIGARO-Redakteurin Annette Militz hat es gelesen.

„Die schöne neue Welt des Essens“ nennt Hans-Ulrich Grimm sein Buch im Untertitel, was natürlich ironisch gemeint ist. Denn wäre sie schön, würden sich die Hersteller von abertausenden Geschmacks- und sonstigen Nahrungsmittelzusätzen nicht hinter den Mauern ihrer Firmen verbarrikadieren, wie wir es sonst bestenfalls von Waffenfabriken kennen. Dann würde Journalisten etwa die Herstellung von Erdbeer- oder Vanille-Aromen gezeigt. So aber endet die Transparenz spätestens im Labor, wo weißbekittelte Wissenschaftler mit Pipetten hantieren und der Verbraucher nicht sieht, woraus Aromen tatsächlich gewonnen werden: aus Sägespänen und Baumrinde, aus Erde und nicht zuletzt Erdgas. Jeweils unter Zuhilfenahme von Bakterien und Pilzen.
Was heißt „natürlich“?
Buchcover: Die Suppe lügt

Das Ganze darf übrigens als natürliches Aroma bezeichnet werden, mit der Begründung, alle Zutaten seien der Natur entnommen. Eine Ausnahme macht die Herstellung des Vanille-Aromas, das aus dem Abwasser von Papierfabriken gewonnen wird. Inzwischen hat die EU die Klassifizierung in natürlich, naturidentisch und künstlich abgeschafft.

Hans-Ulrich Grimm macht deutlich: Appetitlichkeit ist – anders, als es die Bilder in der Werbung und auf den Verpackungen suggerieren – keine Kategorie bei der industriellen Bearbeitung von Lebensmitteln. Und er weist nach, dass durchaus nicht alle Zutaten auf dem Etikett erscheinen. „Clean Label“, sauberes Etikett, so nennen die Herstellerfirmen selbst ihr Bestreben, nur unverfängliche Bestandteile zu etikettieren.

Wenn wir uns angesichts dessen fragen, wie es um den Verbraucherschutz steht, dann fällt der Befund des Autors auch hier ernüchternd aus:

„Die Staaten ziehen sich zurück und räumen ihre Positionen für die global aktiven Konzerne. Im gleichen Maße hat sich natürlich auch die Position der Bürger, der Verbraucher verändert. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und muss sehen, wie er seine Gesundheit schützt.

Was allerdings verkauft werden darf, darüber befinden jene, die die Sachen herstellen, die Produzenten. Und natürlich nur jene unter ihnen, die die Mittel haben, im globalen Entscheidungsprozess mitzuspielen. Die Global Player.“
Text Quelle: mdr FIGARO das Kulturradio
http://www.mdr.de/mdr-figaro/literatur/sachbuch-hans-ulrich-grimm100.htm

Nahrungsmittel – Flop der Woche – falls es jemanden beim lesen schlecht wird hier geht,s zur Blogeigenen Toilette
=> https://salomablog.files.wordpress.com/2014/10/3780268_d6ff6437aa_o.jpg

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