Lichterfeste und ihre spirituelle Bedeutung

In allen Religionen gibt es Lichterfeste: im Christentum etwa Advent und Weihnachten, im Judentum Chanukkah, im Hinduismus Divali. Obwohl sie sich in ihren rituellen Formen unterscheiden, gehen sie alle auf denselben spirituellen Ursprung zurück: das göttliche Licht im Menschen. Sie im rechten Geist zu begehen, bedeutet daher, dieses Licht im eigenen Inneren zu erfahren und weiterzuentwickeln.

Der eigentliche Zweck von Ritualen
In Indien wird das Lichterfest Divali gefeiert, indem man Kerzen anzündet. Dann machen die Leute gewöhnlich ein Glücksspiel, und wenn man sie fragt, warum, sagen sie einem, dass dadurch an diesem Tag unsere Geburten und Tode beendet würden. Es gibt tatsächlich eine Art Glücksspiel, das die Wiedergeburten beendet, aber worin es besteht, wissen nur sehr wenige wirklich. Es besteht darin, allen Besitz – den Körper und und sein ganzes „Drumherum“ – zu opfern, um das Licht im Innern zu entfachen.
Da die Leute dieses wahre Spiel aber nicht kennen, begannen sie mit dem äußerlichen Glücksspiel und begnügten sich damit, Kerzen anzuzünden; und die Menschen folgen ihnen blind, ohne nach der Wahrheit in diesen Ritualen zu suchen. Was ist der eigentliche Zweck von Ritualen? Das Ziel, das ihnen zugrunde liegt, besteht darin, Glaube und Hingabe zu entwickeln. Rituale müssen mit tiefer Achtung im Herzen und in einem Zustand der Gedankenstille ausgeführt werden. Leider werden sie normalerweise dargebracht, während die Gedanken mit anderen Dingen beschäftigt sind. Was man täglich tut, wird zur Gewohnheit, und Gewohnheiten werden zur zweiten Natur. Unsere Gewohnheit ist es, dem Gemüt zu folgen, und wenn das Gemüt nicht voller Hingabe ist, ziehen wir aus solchen Ritualen keinen Nutzen. Habt ihr schon einmal einen Storch gesehen, wie er regungslos da steht, als sei er in tiefer Meditation? Welch wunderbare, auf einen Punkt konzentrierte Aufmerksamkeit! Aber worauf richtet sich diese Sammlung? Darauf, einen Fisch zu fangen. Äußerlich zeigt er der Welt, dass er ein großer „Mahatma“ ist, doch mit den Gedanken ist er beim Essen…

Der Sinn des indischen Lichterfests
Ich habe nichts gegen Bräuche und Riten, denn sie bereiten den Boden für etwas Höheres: sie bringen gute Karmas hervor und tragen gute Früchte. Aber mit welchen Mitteln erreicht man die Erlösung? Manche Leute zünden eine Lampe an und schwingen sie um ihren Kopf. Hinter diesem äußere Ritual steckt die Bedeutung, dass im Innern Gottes Licht ist, aber auf diese Weise sehen sie das Licht ganz bestimmt nicht. Es ist deshalb wichtig, den wahren Zweck nicht aus den Augen zu verlieren, zu dem ein Ritual eingesetzt wurde.
Divali wird in liebevoller Erinnerung an wichtige frühere Ereignisse gefeiert: So erlangte Swami Mahavira an diesem Tag Nirvana und Swami Dayananda die Erleuchtung. Zum Gedenken an diese verheißungsvollen Ereignisse sollten sich die Menschen brüderlich zusammen setzen und alles in ihren Herzen beseitigen, was sie voneinander trennt. Dann sollten sie die wahre Bedeutung, die hinter dem Fest der Lichter steht, praktizieren, und sie besteht darin, das wahre Licht des Herrn im Innern zu entzünden. An diesem Tag putzen die Leute ihre Häuser, werfen alle abgenutzten, unbrauchbaren Dinge hinaus, weißen die Wände und zünden Lampen und Kerzen an, doch das ist nur das äußere Divali.
In Wahrheit wird Divali nur fruchtbar sein, wenn das innere Licht entzündet wird. Es zeigt an, dass Gott beginnt, sich zu offenbaren.
Und dazu muss erst aller Schmutz und Unrat aus unseren Herzen weggewaschen werden. Am Divali-Tag herrscht zu Hause bekanntlich eine besonders gute Atmosphäre. Das liegt an der Hingabe und Reinlichkeit, die alle verstärkt an den Tag legen, am Duft des Weihrauchs und am Licht der Lampen und Kerzen, die man anzündet. Das alles geschieht mit innerer Ehrfurcht, und dadurch entsteht eine besondere Ausstrahlung. Doch das wahre Mittel, um alle schlechten Neigungen aus eurem Gemüt zu entfernen, ist, das Licht in euch zu entzünden.

Äußeres Symbol und innere Wirklichkeit
Lampen anzuzünden und Glocken zu läuten, ist ein leerer religiöser Brauch, und selbst wenn man ihn eine Million Jahre lang ausübt, bleibt es ein leerer religiöser Brauch. Religiöse Riten führen allesamt nicht über diese Stufe hinaus, obwohl daraus gute Taten entstehen können, die den entsprechenden Lohn nach sich ziehen, wenn sie aufrichtigen Sinnes vollzogen werden. Aber sie sind kein Weg zur Erlösung. Der Mystiker Kabir sagt: „Im Palast der Stille entzünde die Lampe.“ Der wahre Palast oder Tempel des Herrn, in dem das Licht Gottes aufschimmert, ist der menschliche Körper, und in diesem Licht vibriert der göttliche Klang.

Weißer Fleck mit weißen Streifen -Foto vom 31.12.2011

Die Meister sprechen davon in verschiedenen Begriffen: sie nennen ihn „inneres Hören“ (Buddha), „die in Licht gekleidete Wahrheit“ (Pythagoras), „das unvergleichliche Feuer“ (Zarathustra), „die Musik der Sphären“ usw.
Selbst wenn man sämtliche bekannte Schriften auswendig könnte, bliebe ohne das Entzünden dieses Lichtes im Innern und ohne das Hören dieses Klanges all dieses Wissen ohne Nutzen. Licht und Klang sind der direkte Weg zurück zum absoluten Gott. Sie sind wie zwei elektrische Aufzüge, die uns an den Ort zurückbringen, von dem sie ausgehen. Wenn ihr die grundlegenden Lehren eurer eigenen Religion genau studiert, werdet ihr feststellen, dass sie der Ursprung aller Dinge sind. Die unterschiedlichen religiösen Bräuche und Riten wurden nur aufgrund klimatischer Unterschiede eingeführt, aber im Grunde ist alles sehr einfach und klar. Hört also auf, Symbole mit der Wirklichkeit zu verwechseln, auf die sie lediglich verweisen. Alle Religionen mit ihren Zeichen oder Symbolen sind ein Segen; bleibt deshalb dort, wo Gott euch hingestellt hat.
Man kann ihn nicht dadurch erkennen, dass man die äußeren religiösen Formen verändert. Der Mensch muss sich ändern, nicht die Religion.

Das innere Licht erkennen
Die Hauptsache ist, dass ihr euer Ziel nicht vergesst, nämlich Gott zu erkennen. Äußere Dinge wie Beziehungen, Besitz usf. wurden dem Menschen nur gegeben, um ihm zu helfen, dieses Ziel zu erreichen. Solange das innere Licht in ihm nicht entzündet ist und er nicht gesehen hat, dass es der Herr ist, der alles bewirkt und in Gang hält, die Körpermaschinerie ebenso wie das ganze Weltgeschehen, hat er seine eigentliche Lebensaufgabe nicht erfüllt. In Wahrheit ist alles bereits in euch – ihr seid das Licht. Gott ist das größere Licht und ihr das kleinere. Wenn ihr von allem Unrat befreit seid, werdet ihr das Licht in euch sehen und schließlich im größeren Licht aufgehen; denn es ist ein Naturgesetz, dass alles zu seiner eigenen Art hingezogen wird. Auf diese Weise werdet ihr eins in Ihm. Wenn ihr an Divali das Licht in euch entfacht, so gratuliere ich euch; sonst liegt euer „Haus“ weiterhin im Dunkeln. Wenn ihr die Augen schließt, herrscht dahinter normalerweise Dunkelheit, aber sobald ihr dort Licht seht, beginnt eure innere Reise. Zuerst muss man sich über die physische in die astrale Ebene erheben, wo das Licht stärker wird. Auf der kausalen Ebene wird es noch stärker, und von da an ist es heller als Millionen Sonnen und Monde. Im Gurbani, der heiligen Schrift der Sikhs, steht geschrieben: „Es ist Licht im Innern, und die ewige Musik geht davon aus.“ Die Chandogya Upanishad gibt die gleiche Auskunft. Das ist die Wirklichkeit, und wenn ihr diese Gabe in irgendeiner Religion erhalten habt, dann könnt ihr sicher sein, dass ihr das Mittel zur Erlösung bekommen habt.

Eine verwandelnde Kraft
Es gibt ein inneres Auge – wenn es geöffnet ist, kann es das Licht Gottes sehen. Lord Krishna sagte: „Du kannst mich nicht mit den Augen aus Fleisch und Blut sehen, sondern nur mit dem göttlichen Auge, mit dem ich dich gesegnet habe.“ Jeder hat dieses Auge – es heißt das Dritte oder Einzel-Auge: „Wenn dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib licht sein“, heißt es im Neuen Testament. Und wo ist dieses Auge? „Festige deine Aufmerksamkeit über den Sinnen, dort, wo auch Lord Shiva meditiert.“ Selbst Lord Shiva meditiert an diesem unsichtbaren Ort, und deshalb wird er manchmal auch „Shiv Netra“ – Shivas Auge – genannt.
Von dieser niedrigen, materiellen Ebene aus können wir den absoluten Gott nicht sehen, aber er brachte sich in der Schöpfung zum Ausdruck und durchdringt alles in Form von Licht, in dem der „ewige Gesang“ ertönt. Alle Philosophien befassen sich nur mit Theorien, doch die Mystik beschäftigt sich mit dem direkten Kontakt zur Wirklichkeit: der Kraft, in der Gott sich offenbart. Damit kann man jedoch nur in Verbindung kommen, wenn man sich über die Sinne erhebt, und das ist nur in der menschlichen Verkörperung möglich.
Wohin wird unsere Aufmerksamkeit dann am Ende gehen? An den Ort, von dem der Klang kommt – zu seiner letztendlichen Quelle. Die wahre Feier von Divali besteht also nicht darin, sich Süßigkeiten zu schenken oder bestimmte äußere Handlungen zu vollziehen, sondern vielmehr darin, die Wahrheit von Divali in euch selbst zu empfangen und zu praktizieren. Das wird in nur wenigen Monaten euer ganzes Leben verändern. Wenn ihr das bis jetzt noch nicht getan habt und es auch weiterhin nicht tut, bleibt ihr in der Finsternis. Wenn ihr schon damit angefangen und bereits ein wenig Licht erhalten habt, ihm aber nicht eure volle Aufmerksamkeit schenkt und es nicht täglich in allen Lebenslagen praktiziert, wird sich das, was ihr habt, auch nicht vermehren.

Der Schlüssel zum Erfolg
Doch wie könnt ihr die Lampen von Divali in euch selbst entzünden? Christus sagte: „Ich bin das Licht der Welt. Wer zu mir kommt, der wird nicht wandeln in der Finsternis.“

Saloma -Spirit

Damit spricht er ein weiteres Kriterium an: Wer das Licht besitzt, kann es auch anderen geben. Von Lehrern, die nur äußere Bräuche lehren, oder von Intellektuellen und Schriftgelehrten kann man es nicht bekommen. Wer aber eins ist mit dem Licht, kann es auch weitergeben. Genauso wie wir durch das Radio über Tausende von Kilometern hinweg Klänge und Stimmen hören und durch das Fernsehen Bilder sehen können, kann sich uns auch die allmächtige Gotteskraft offenbaren, wenn wir unser „Empfangsgerät“, die Aufmerksamkeit, auf den richtigen „Sender“ eingestellt haben. Haltet nur eure Gedanken auf ihn gerichtet, und ihr werdet von seiner direkten Ausstrahlung profitieren.
Der Schlüssel zum Erfolg ist demnach Hingabe, denn wie man denkt, so wird man. Wenn wir unsere zerstreute Aufmerksamkeit konzentrieren können, werden wir zum Beherrscher dieser Aufmerksamkeit und mit der Zeit zum Sprachrohr der höheren Aufmerksamkeit. Was können wir dann nicht alles vollbringen?! Obwohl Gott schon in uns ist, müssen wir jedoch erst ein Mensch-in-Gott und Gott-im-Menschen werden; das ist unser Ziel. Wer das wird, kann anschließend anderen helfen, die Offenbarung des göttlichen Lichtes in sich zu sehen.

Jeder Tag ein Lichterfest!
Licht kann nur von Licht kommen. Die Augen zu drücken oder zu reiben, um dadurch im physischen Auge Funken hervorzurufen, oder der Versuch, sich Licht vorzustellen, bringt niemanden in Verbindung mit dem inneren Licht. Wenn ein Hindu im Sterben liegt, sagen seine Angehörigen: „Schnell, zündet eine Lampe an und stellt sie vor ihn hin, sonst stirbt er vielleicht, ohne vorher das Licht gesehen zu haben.“ Die Menschen begreifen nicht, dass das Licht entzündet werden muss, während man lebt – im Innern, nicht außen. In Hardwar (Nord-Indien) zünden die Pilger in einem Schiffchen aus Blättern und Blüten eine kleine Kerze an und lassen sie im heiligen Gangesfluss schwimmen. Wird sie durch Wassertropfen oder einen Windstoß ausgelöscht, zünden sie ein neues Licht an und setzen es aufs Wasser. In diesem äußeren Ritual verbirgt sich die Bedeutung, dass man der Führung des Lichts bedarf, um das Meer des Lebens zu überqueren. Aber dieses Licht ist anders; es hat weder Docht noch Öl, es kann nicht umgeworfen oder versenkt werden und brennt ewiglich. „Wenn jemand dieses Licht entzündet, hört er auf, im Kreislauf der Seelenwanderung zu treiben,“ sagt der Mystiker Nanak.

Feiert deshalb an jedem Tag eures Lebens Divali und zündet die innere Lampe an. Meditiert regelmäßig in liebevollem Angedenken an den Herrn. Nur das macht Divali wirklich schön.

Foto Quelle: Gisela Inge Saloma

Text Quelle – Isionen :
http://www.visionen.com/Rubriken/Spiritualitaet/Lichterfeste-und-ihre-spirituelle-Bedeutung
Foto und Video Quelle: Gisela Saloma

3 Kommentare

  1. Leider hat Frau Holle versagt, es gibt kein Schnee auf Weihnachten

    Aber die Schwerter sind ja einfallsreich, ein Plastik Schneemann tut es auch !

    Liken

  2. Liebe Gäste und Freunde
    Ich wünsche euch allen ein gesundes – besinnliches und gesegnetes Weihnachtsfest – einen guten Rutsch ins neue Jahr und ganz viel Liebe.
    Vielen Dank fürs lesen.

    Foto vom 24.12.2013 – 12 Uhr 58

    Viele Grüße
    eure
    Gisela Inge Saloma

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: