„Endstation Klapse – Deutschland im Homogenisierungswahn“

Hallo zusammen
Habe wieder Post vom Bundesverband für Psychiatrie Erfahrene und Opfer bekommen.
Gestern lief auf 3 Sat ein interessanter Beitrag über den Oben genannten Titel.
Leider habe ich das selber nicht gesehen.
Gut, dass man über alles was man versäumt, nachträglich informiert wird, ist ganz schön praktisch.

Video der Sendung gestern
http://www.youtube.com/user/Gedankenverbrecher84?feature=mhum#p/u/0/CvtBsT0U2Ko

Darin sind unter anderem auch der in der Antipsychiatrieszene bekannte Rechtsanwalt
Thomas Saschenbrecker und der Politikwissenschaftler Wolf Dieter Narr zu sehen.
Der Text der gestigen Sendung „Kulturzeit“ ist hier erschienen:
http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/151238/index.html
Oder hier:
Zwangseinweisung
DEUTSCHLAND IM HOMOGENISIERUNGSWAHN
Jedes Jahr werden in Deutschland rund 200.000 Menschen in die
Psychiatrie eingewiesen – doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren.
Manche Zwangseinweisung scheint übereilt zu sein. Wissenschaftler
schätzen, dass sich jede zehnte Einweisung ohne Rechtsgrundlage
vollzieht.
Es betrifft Menschen aller Schichten und aller Bildungsgruppen.
Besonders häufig sind es ältere Menschen, wie zum Beispiel die
Berlinerin Gisela Z.. Mehrfach wurde sie gegen ihren Willen
eingewiesen. „Das ist furchtbar“, sagt sie. „In irgendeiner Haltung
wird man angeschnallt und muss dann verharren oder schlafen.“ Gisela
Z. wurden Klopfen und Lärmen in ihren eigenen vier Wänden vorgeworfen,
dazu mangelnde Wohnungspflege. Es gab Beschwerden von der
Nachbarschaft. Keine Frage: Sie hätte fremde Hilfe gut gebrauchen
können. Ihr Betreuer entschied sich aber für eine Zwangseinweisung –
angeblich zum Wohl der Betroffenen – für die Rentnerin eine Qual.
Menschen, die keiner Norm entsprechen
„Ich habe mich nur in mich zusammen gekrochen und gehofft, dass es
Hilfe gibt“, berichtet sie. „Ich habe nachts nicht schlafen können von
den Medikamenten. Ich konnte nicht mehr reden.“ Gisela Z. wehrte sich
gegen die Bevormundung. Zu den Anwälten, die sie dabei unterstützten,
gehörte Thomas Saschenbrecker: Der Experte für Psychiatrie-Recht
warnt, dass immer mehr Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm
entsprechen, in Psychiatrien zwangsabgeschoben werden. „Es ist eine
Form der Homogenisierung der Gesellschaft“, sagt er. „Hier wird alles,
was unbequem, was auffällig ist, ‚weggeschafft‘. Nicht in der krassen
Form, aber leider viel zu oft gegen die Interessen der
Individualität.“
Wie schnell es zu Zwangseinweisungen kommen kann, bestätigt eine
frühere Krankenschwester einer Psychiatrie, die nicht genannt werden
möchte. Altenheime würden Menschen einliefern lassen. Gründe gäbe es
viele: steigender Kostendruck, Überlastung oder schlicht
Bequemlichkeit. „Weihnachten fährt nur eine halbe Schicht“, berichtet
sie. „Und wenn viel Arbeit ist, werden die Leute verteilt.“ Auch in
geschlossene psychiatrische Abteilungen?, fragen wir nach. „Dann wird
der Hausarzt angerufen: ‚Er hat geschlagen‘. Und bei uns stellt sich
meistens heraus, es ist alles vollkommen harmlos.“
Menschenwürde wird entzogen
Laut Gesetz muss der Betroffene entweder sich selbst oder andere
gefährden, bevor ihn ein Arzt oder Betreuer einweisen lassen kann. Es
gilt der Aspekt der Fürsorge. Doch immer häufiger würden die
Grundrechte Betroffener gebrochen, warnt der inzwischen emeritierte
Politikwissenschaftler Wolf Dieter Narr, Mitbegründern des Komitees
für Grundrechte und Demokratie. „Das ist unerhört, wenn man bedenkt
das Satz eins des ersten Artikel des Grundgesetzes heißt: ‚Die Würde
des Menschen ist unantastbar‘. Das heißt, mindestens 200.000
Bürgerinnen und Bürgern wird jedes Jahr ihr zentrales Grundrecht, die
Würde, entzogen.“
Das St. Joseph Krankenhaus in Berlin-Weißensee ist eine der Kliniken,
in denen Gisela Z. untergebracht war. Es ist ein christliches
Vorzeigehaus: offen, demokratisch und modern. Die Zwangseinweisung von
Gisela Z. sei Ausdruck von Humanität, erklärt die Leiterin, Chefärztin
Iris Hauth. „Das ist auch eine ethische Frage“, sagt sie. „Wenn
Menschen in eine Psychose, eine schwere psychische Störung geraten,
lässt man sie dort, weil sie selbst keine Krankheitseinsicht haben.
Man lässt sie in ihrem Leiden oder greift an dieser Stelle eine
Fürsorgepflicht und holt sie aus ihren Leiden heraus.“
Im Zweifel gegen die Freiheitsrechte
Das Amtsgericht hat die Betreuung für Gisela Z. wieder aufgehoben. Sie
sei in der Lage, ihren Willen frei zu bestimmen. Wie weit kann ein
psychisch kranker Mensch für sich Verantwortung übernehmen? Der Grat
zwischen Fürsorge und Freiheitsberaubung ist manchmal schmal. Eine
Zwangseinweisung sollte immer die Ausnahme bleiben. Immer häufiger
wird im Zweifel gegen die Freiheitsrechte der Betroffenen entschieden
und für den störungsfreien Ablauf der Gemeinschaft. Das beobachtet
auch der Bremer Rechtswissenschaftler und Strafverteidiger Hellmuth
Pollähne. „Der Druck auf Bekannte und Verwandte nimmt zu“, sagt er.
Das Motto sei: „Schafft uns doch diesen Störfaktor vom Hals. Dafür
gibt es Profis, dafür gibt es Einrichtungen und Verfahren, die das
Problem entsorgen.“
„Betreuungsrecht ist inzwischen regelrecht zum Großunternehmen
geworden“, sagt Rechtsanwalt Thomas Saschenbrecker, „wo man jedes Jahr
immer mehr Menschen unter Betreuung stellt und die Leute wegsperrt,
weil es bequemer ist.“ Es gibt wenig Platz für Sonderlinge. Die
Normierung des Lebens findet längst statt. Mithilfe der Wissenschaft
sucht man Antworten auf die Frage: Was ist normal, was unnormal? Doch
wo die Wissenschaft Klarheit verschaffen soll, bleibt wenig Platz für
Grautöne. Was nicht passt, wird weggesperrt. „Das Gefährliche ist die
Bereitschaft“, so Pollähne, „bei noch mehr Menschen noch früher sagen
zu können und auch juristisch zu entscheiden und durchzusetzen: Vor
dir muss die Gesellschaft geschützt werden. Die Bereitschaft zur
Chemie oder zum Wegsperren wächst mit dem vermeintlichen Glauben und
der vermeintlichen Gewissheit, man könne naturwissenschaftlich
belegen, wer gefährlich und wer krank ist.“
Die Zahl der Zwangseinweisungen steigt rapide, und auch die Zahl der
Betreuungen hat sich in den letzten 20 Jahren knapp verdreifacht. Doch
was der Gesellschaft das Gefühl der Sicherheit verschaffen soll, wird
zum Rückschlag für die Freiheitsrechte hunderttausender Bürger – wie
Gisela Z..

Hier noch ein Aussagekräftiger Song dazu, achtet mal auf den Text, das Licht am ende scheine ich wohl verpasst zu haben.

Ich wurde noch nie Zwangseingewiesen. Dafür halte ich aber jetzt gezwungener maßen Schmerzen aus, die ich Psychopharmaka Nebenwirkungen zu verdanken habe.
Ich wurde von einer Nervenärztin zum Außerirdischen Therapiert.

Picture 7

Komme bald mit einer MEGA Überraschung, bis denne.
Lieben Gruß eure Lichtkriegerin
Saloma

6 Kommentare

  1. Ach ja – der Goldene Reiter *lol*

    Schön, daß Du diesen NDW-Song ausgegraben hast.
    Wie treffend.

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    1. Guten Morgen Winston Smith
      Ja, das finde ich auch, danke.

      Ich kenne ihn ja schon aus den 80ern, aber damals war das noch nicht so, dass ich Videos davon sah, nah ja und auf den Text habe ich getanzt und gerockt in Hi –Live in allen Gassen, wie viele anderen ja auch,
      und ihn so,wohl irgendwie versäumt.
      Wir waren ja im Vergiftungs- – Aufschwung, da hat man an so was noch gar nicht gedacht.

      Später im Jahr 2007, als ich gerade diese Psychopharmaka absetzte, habe ich dann 2 Jahre lang bei Viva Redro –Charts, Sonntags immer aufgenommen.
      Da viel mir zum ersten mal der Text auf. Erst danach kam das Große erwachen.
      Passt sehr gut in meinen blog, da er genau das rüberbringt, was ja auch Sache ist.
      Wie Arsch auf Eimer, wie man so schön sagt.
      Joachim Witt hat einen Orden verdient.
      :yes:

      Lieben Gruß Saloma

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      1. Spezielle Patientenverfügung gegen Psychiatrischen Zwang vom Amtsgericht Wedding und Spandau bestätigt !
        http://nija76.blog.de/2011/06/01/spezielle-patientenverfuegung-11250908/

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  2. ein sehr guter beitrag… 🙂

    Gefällt mir

    1. Ja, gut dass ich im Bundesverband für Psychiatrie Erfahrene und Opfer Mitglied bin, bekomme alle Informationen Peer Mail, die ich dann einstelle.
      Und gut dass ich deinen Beitrag heute morgen gesehen habe, denn das habe ich noch gar nicht gewusst. Es ist aber auch wirklich höchste Eisenbahn, dass umgedacht wird !
      Im Internet kann man links pflücken wie die Äpfel auf einem Baum.
      Besten Dank

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